um 1900

Ende des 19. Jahrhunderts hatte der Kanal keine wirtschaftliche Bedeutung mehr. Der Betrieb war durch die Eisenbahn einfach unrentabel geworden. Bereits in den 1890er Jahren wurden Ideen und Pläne für einen neuen Kanal geschmiedet. (Der Nachfolger des Ludwig-Donau-Main-Kanals, der Main-Donau-Kanal, wurde 1992 fertiggestellt.) Schiffe auf dem Kanal wurden selten und selbst in den beiden Weltkriegen spielte er keine Rolle.

An einer Stelle war die Wasserstraße aber ein echter Publikumsmagnet: zwischen dem Nürnberger Stadtteil Doos und Kronach, einem Stadtteil von Fürth. Der Gastwirt Peter Weigel hatte sich ab 1925 eine Flotte von drei Booten angeschafft. Mit diesen Schiffen, im Volksmund „Schlagrahmdampfer“ genannt, schipperte der Unternehmer immer sonntags Hunderte von Nürnberger und Fürther Bürgern in sein Lokal, den „Gasthof Weigel“. Dort gab es dann Kaffee mit ordentlich Schlagrahm drauf, und manche Gäste verließen das Lokal wohl auch eher mit „Schlagseite“. Eines der Schiffe, die „Antonia“, kostete damals 19.000 Reichsmark – keine kleine Investition! Aber offenbar rentierte es sich für Herrn Weigel.

Für Schlagzeilen sorgte ein Vergaserbrand auf der „Hansi“. Eigentlich keine dramatische Situation, aber die Fahrgäste gerieten in Panik und gingen von Bord. Schwimmen musste wegen der geringen Wassertiefe keiner. Jedoch sollen einige der Schiffbrüchigen zu den Rettungsringen gegriffen haben, um das in unmittelbarer Nähe gelegene Ufer zu erreichen. Zu Schaden kam zum Glück niemand – außer vielleicht „Kapitän“ Weigel: Er musste 28 Passagiere mit dem Taxi nach Hause chauffieren lassen. Auf seine Kosten, versteht sich.